Kastration x 2

Kennt ihr Felidae, den Katerkrimi von Akif Pirincci? Dann kennt ihr auch den Wortlaut „Die Nüsse müssen weg!“ Mehr im Scherz und immer mit einem Schmunzeln im Gesicht, brachte unsere Dosenöffnerin diesen Wortlaut in den vergangenen Wochen mehr als einmal über die Lippen. Da wir nicht wirklich Buchfans sind, und lieber unsere eigenen Erfahrungen machen, als uns welche anzulesen, haben wir diesen Worten nicht unglaublich viel Bedeutung beigemessen. Wir haben uns einfach darüber gefreut, dass es unserer Dosi Spaß machte und sie lächelte – Bigi ist so süß, wenn sie schmunzelt.

Ach hätten wir diesen Krimi doch gelesen – wir hätten geahnt, was auf uns zukommt – so gingen wir unbedarft in die große Transportkistenfalle, die uns nicht nur Dosi, sondern auch der Ralle von oben drüber am Dienstag, den 15. Februar, stellte. Eigentlich hätten wir schon hellhörig werden müssen, als wir am Montag Abend um 20:00 Uhr die Fressnäpfe entwendet bekamen. Dick sind wir nämlich nicht, so dass unsere Erklärung, wir müssen sicher einen Fastentag einlegen, schon reiner Quatsch war. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Am besagten Dienstag um kurz nach Acht kam dann auch noch Sonja, unsere Ex-Dosi, wir wurden nebst riesigem Transportkorb in ihr Auto verfrachtet und an einen Ort gebracht, der uns alles andere als zusagte. Weiße Kacheln überall und ein Geruch von Sterilität und beißenden Mitteln lag in der Luft. Auch die anderen Tiere, die wir dort trafen, waren alle sehr unglücklich und ängstlich. Bigi gab uns einfach an eine wildfremde Frau ab und ging fort. Was darauf folgte war wirklich ekelhaft. Wir wurden gepiesakt und gepiekt, der arme Flummi bekam sogar den Bauch rasiert und obwohl wir uns mit allen acht Pfoten heftig wehrten, wurden wir unbeschreiblich schläfrig und müde.

Stunden später erst wurden wir wieder wach – in dem Transportkorb, der komisch schaukelte und wir hörten die Stimme unseres Menschen, worüber wir schon recht glücklich waren. Bigi brachte uns heim und öffnete den Korb, aus dem wir natürlich als bald zu entschwinden versuchten. Gar nicht so einfach. Uns war so übel – wir waren so wackelig und überhaupt – dieser Gestank. Bigi gab ihr Bestes, um es uns so kuschelig wie möglich zu machen. Aber wir wollten es nicht kuschelig – wir wollten uns bewegen – wir wollten weg – einfach nur weg von diesem widerlichen Geruch, der uns wie ein bleierner Mantel umgab.

...

Ich denke es ist besser, wenn ich nun weiter erzähle. Es ist gerade erst wieder so schön friedlich hier – eine Woche später.

Hobbit machte sich als Erster raus aus dem Korb – wankte durch die Wohnung, in der ich versuchte alle Hindernisse bei Seite zu räumen und Gefahrenquellen zu eliminieren. Dem armen Kerl war so übel, dass er sofort nach den ersten Schritten zu erbrechen begann. Und während ich damit beschäftigt war, die ersten Kotzbächlein zu beseitigen, schwang sich TorkelFlummi auf den Kratzbaum. Nein, er versuchte zu schwingen, was aber auf Grund der Narkose und dem desolaten Befinden nicht gelingen wollte. Irgendwie hatte ich nicht Hände genug, und ich war Ralle super super dankbar, dass er mir die ersten Stunde zur Seite stand. Irgendwann legte sich Hobbit dann auf den mit Wärmflasche ausgekleideten Platz auf der Couch und fiel in den Zustand: „Rausch ausschlafen“. Blieb noch Flummi, der wie ein Tiger gegen die Einschränkungen durch Narkose und OP kämpfte. Bei ihm kam ja noch erschwerend hinzu, dass nicht nur die Bommels wegoperiert wurden, sondern auch noch der Nabelbruch operativ versorgt wurde. So zierte ein großes Pflaster seinen Bauch, an das er ständig versuchte zu gelangen. Das wiederum führte dazu, dass er unkontrolliert durch die Wohnung kullerte. Später versuchte er dann zu schlafen – wachte aber bedingt durch die Schmerzen am Bauch immer wieder auf, jammerte und schrie zwischendurch herzerweichend und biss mir sogar einmal vor lauter Verzweiflung in den Oberschenkel. Ich fühlte mich so grauenvoll hilflos. Wie sich Hilflosigkeit wirklich anfühlt, das sollte ich allerdings erst zu späterer Stunde erfahren.

Je später der Abend, je schwärzer die Nacht, desto munterer die Kater. Ich freute mich schon mächtig, als die ersten Schritte durch die Wohnung wieder ohne Umwege und Umfaller von Statten gingen. Gegen 22:00 Uhr stellte ich den Beiden Wasser hin, was sie aber noch nicht wirklich zu sich nehmen wollten. In der Wohnung machte sich Spannung breit. Eine andere Spannung, als ich sie den Tag über wahr nahm und als sich die Beiden das erste Mal seit dem Aufwachen wieder näher auf den Pelz rückten, wusste ich auch wieso. Sie fauchten und knurrten sich an. In erster Linie war Flummi super aggressiv, was ich darauf zurückführte, dass ihm seine BauchOP wohl mehr Schwierigkeiten und Schmerzen bereitete, als es anzunehmen war. Der arme Hobbit wusste gar nicht wie ihm geschah und flüchtete sich voller Verzweiflung freiwillig auf meinen Schoß. Was folgte war eine zweite schlaflose Nacht, da sich beide Kater ständig anknurrten und fauchten. Sie hatten die ganze Wohnung zur Verfügung (normaler Weise ist das Wohnzimmer nachts tabu), aber sie nutzten sie nicht, um sich aus dem Weg zu gehen. Sie wollten aufs Bett, zu mir und das so dicht wie möglich. Irgendwann legte sich dann Flummi völlig untypisch unter die Decke auf meinen Bauch – aber das Geknurre hielt an. Es ist ein eigenartiges Gefühl eine lebendige Grenze für zwei Kampfkater zu sein.

Mittwoch Morgen gab es das erste Fressen. Flummi gebärdete sich dermaßen böse und aggressiv, dass ich die Futterstellen trennen musste, sonst hätte sich Hobbit nicht zu fressen getraut. Da ich arbeiten musste, bat ich Ralle ein Ohr und ein Auge auf die Beiden zu haben, was er auch hervorragend tat. Ohne ihn wäre ich echt mal wieder aufgeschmissen gewesen. Dieses Theater meiner beiden „Süßen“ verschärfte sich und was folgte war eine weitere schlaflose Nacht, die ich diesmal damit zubrachte, die Beiden von einander getrennt zu halten, bzw. sie zu trennen, denn es blieb nicht bei Gefauche und Gebrumm, sondern steigerte sich in Tatzenhiebe. Donnerstag hatte ich dann zwei aggressive kastrierte Kater hier herumfauchen. Ich nannte sie Osama und Saddam und Ralle fragte belustigt, ob er Jerry Dabbeljuh Bush herunter bringen soll, denn der bringt doch bekanntlich den Frieden und die Demokratie überall hin. Wenn es ja mal zum Lachen gewesen wäre. Mir war nicht mehr nach lachen. Meine Arbeit schaffte ich gerade mal so, war komplett unausgeschlafen und unkonzentriert und Donnerstag Nacht steigerte sich die Kampfeslust der Stubentiger ein weiteres Mal. Der Einsatz der Blumenspritze, zwecks Fellbombenauflösung, scheiterte und ich sah mich gezwungen die Kontrahenten mit einer ordentlichen Ladung Wasser zu trennen. In dieser Nacht floss auch Blut – und ich fühlte mich hilfloser denn je. Sie zu trennen, in verschiedene Räume aufzuteilen, hielt ich nur für solange für eine gute Idee, bis die Kater im Chor anfingen die Bude zusammen zu schreien. Da halfen auch Oropax nichts mehr. Gar nichts.
Freitag reichte ich erst einmal Urlaub ein. Nachmittags musste ich eh mit Flummi zum Tierarzt, da die Bauchnarbe kontrolliert werden musste. Außerdem war ich komplett am Ende. Unsagbar müde. In der Zwischenzeit gab es auch die ersten Ratschläge, wie das Problem zu beheben sei.

Im wahrsten Sinne des Wortes, konnten sich die Beiden nicht mehr riechen. Der Geruch von den Medikamenten und der Narkose hält sich wohl eine Weile im Fell, was die Tiere nicht nur „fremd“, sondern auch bedrohlich riechen lässt. Das schürt die Aggressivität. Abhilfe schaffen kann man mit einem getragenen Shirt oder einer Socke, mit deren Hilfe man die Tiere kräftig abrubbelt, um diesen Geruch zu minimieren, bestenfalls zu überdecken. Aber wer traut sich schon mit einem Stinkesocken an einen Kampfkater heran?


Als ich bereits FreitagMittag heim kam, hatte ich schon die begründete Hoffnung, dass etwas Ruhe eingekehrt ist. Ralle informierte mich darüber, dass meine Kater schon die ersten Annäherungsversuche ohne Waffen hinter sich gebracht hätten. Das war zu schön um wahr zu sein. Und wirklich, sie gingen sich aus dem Weg und wenn sie doch aneinander vorbei mussten, dann zwar mit dickem Schwanz, aber ohne gezückte Krallenwerkzeuge.
Dank eines kleineren Transportkorbes meiner Freundin Gabi, war es ein Leichtes Flummi zur Tierärztin zu verfrachten, wo er sich relativ ruhig begutachten und antibiotisch versorgen ließ. Irgendwie war mir komisch. Hoffentlich ginge das Theater nicht wieder von vorne los, wenn der nach Praxis duftende kleine Bruder zu Hause ankommt.
Was folgte waren ein paar Drohgebärden. Hier und da noch ein Knurren, aber die Nacht verlief relativ friedlich.
Tja, und seit Samstag führen die Beiden ernsthafte Friedensverhandlungen. Sie toben sogar schon wieder miteinander, zanken mich gemeinsam und treiben Schabernack. Am Liebsten liegen sie aber immer noch getrennt von einander auf mir herum – aber ich denke – das wird.

Heute ist Montag, der 21. Februar 2005 und ich habe eine wahre Horrorwoche hinter mir. Okay, ich gebe zu, Flummi und Hobbit geht es sicher auch nicht anders – nur mit dem Unterschied, dass sie sich noch untereinander verständigen konnten, während ich hilflos der Situation ausgeliefert war.

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