Kastration

Angelesenes und -gehörtes Wissen

Kastration ja oder nein? Wenn ja warum und wenn nicht, sowieso weshalb. Es gibt Diskussionen rund um das Wohl von uns Fellnasen, die sind fast so er- und ausgiebig wie die von euch Zweibeinern. Egal ob Tierfreund, Katzenfreund, Züchter oder einfach nur Liebhaber – die Diskussion um unsere Vermehrung oder Nichtvermehrung ähnelt der menschlichen Auseinandersetzung mit dem 218 – und ob ihr es glaubt oder nicht – es fliegen die Fetzen, es bleibt selten sachlich und wird in der Regel eine höchst emotionale Angelegenheit.

Schutz der Samtpfoten durch Kastration?

Die großteils verbreitete Meinung, dass „Katzen und Kater schon irgendwie durchkommen“ stimmt leider nicht! Eure Großstädte sind schlechte Reviere für uns Jäger. Dies liegt vor allem an der hohen Population und den sich immer stärker ausbreitenden und meist tödlichen Viruskrankheiten. Aber auch sonst haben Tiere es allgemein nicht einfach, vor allem im Winter nicht. Nässe, Kälte, verschlossene Mülltonnen, Giftköder, Ratten- oder Mäusegift, Menschen, die sie aus Angst vor Unrat verjagen – das alles erschwert das Überleben einer Straßenkatze. Streuner sind in der Regel immer geschwächt, das Immunsystem ist nicht stabil, Erkrankungen und Tod sind an der Tagesordnung.

Doch trotz aller Information, aller Tierschutzkampagnen und aller Ermahnungen bleibt ein großer Teil unserer Spezies unkastriert. Das führt dazu, dass es zunächst im Frühjahr und dann auch noch mal im Herbst zu einer gigantischen Vermehrung kommt. Teilweise bekommen schon Kitten wieder Welpen und so weiter und so weiter. Man geht davon aus, dass ein Katzenpärchen im Jahr zweimal Junge bekommt (da haben wir euch Zweibeinern was voraus), von denen durchschnittlich 2,8 Tiere überleben, die sich wiederum bereits im Alter von 6 Monaten weiter fortpflanzen. Mag mal jemand an die Tafel kommen und das kurz durchrechnen?

  • Nach einem Jahr laufen statistisch betrachtet schon 12 fortpflanzungsfreudige Samtpfoten umher.
  • Nach zwei Jahren: 66
  • Nach drei Jahren: 382
  • Nach vier Jahren: 2.200
  • ...
  • Lust auf mehr?
  • ...
  • Nach 10 Jahren ergibt das eine Population von über 80 Milliarden kleiner Tiger.


Wer einigermaßen bei klarem Verstand ist, muss also einsehen, dass hier Handlungsbedarf besteht. Und damit meinen wir nicht, dass wir als Winzlinge in Klos hinunter gespült, in Brunnen ertränkt, mit dem Spaten erschlagen oder bei der nächsten Müllabfuhr „mit weg geworfen“ werden. Die Idee einen Wurf Katzenbabies in einer Kiste an eine vielbefahrene Straße zu stellen zeugt auch nicht von großer Intelligenz – dann sollte man schon die Kiste vor einem Tierheim abstellen. Das löst zwar nicht das Problem der Unverantwortlichkeit gegenüber Lebewesen – zeigt aber zumindest ein Minimum „Herz“.

Jährlich werden 200.000 Kater und Katzen ausgesetzt. Eine viertel Millionen Tiger werden von Jägern erschossen und viele, viele Hundertausende landen in Labors, wo sie als Versuchstiere für eure Schminke etc. ihr Leben lassen.


Was also tun?

Kastration heißt das Zauberwort, was soviel heißt, dass uns männlichen Vertretern die Hoden und unseren Frauen die Eierstöcke vollständig entfernt werden

Auch eine Sterilisation bietet sich unter Umständen an. Von einer Sterilisation spricht man, wenn durch Abbinden oder Durchschneiden der Samenstränge bzw. Eileiter; die hormonelle Funktion der Keimdrüsen erhalten bleibt. Das bedeutet aber auch, dass der Fortpflanzungstrieb mit allen dazugehörigen Verhaltensweisen bleibt. Wer weiß wie diese dazugehörigen Verhaltensweisen klingen oder sich anfühlen, wird sich demnach immer für eine Kastration entscheiden.

Wie schon erwähnt, ist die Diskussion über Kastration bei euch Menschen meist sehr unsachlich. Und darum möchten wir hier mal mit ein paar „Vorurteilen“ aufräumen, ein paar Illusionen zerstören.
Ihr Menschen seid tatsächlich der irrigen Meinung, dass wir so etwas wie „Spaß“ am Sex haben, dass unsere Kätzinnen auf die Welt kommen mit dem Instinkt, mindestens einmal Kitten haben zu müssen, damit sie sich Katze nennen dürfen. Und uns Herren der Katzenschöpfung wird nachgesagt, dass wir Kater nur Kater sind, wenn wir unsere Bommel behalten und jede einzelne rollige Kätzin beglücken dürfen.

So ein Quatsch!!!

Eine Paarung unter uns Haustigern ist keineswegs eine romantische Angelegenheit: Die Katze verführt uns Kater mit aufreizenden Gesten und lässt sich für ca. 10 Sekunden begatten, während wir ihre Schultern mit unseren Krallen und ihren Nacken mit den Zähnen packen.

Zum Dank für diese Katzenromantik werden wir anschließend vom Weib bestenfalls gekratzt, schlimmstenfalls verprügelt und gebissen. Und auch die weibliche Katze empfindet Schmerzen bei der Paarung. Unser Penis ist mit Widerhaken ausgestattet, was beim Zurückziehen einen intensiven, krampfartigen Schmerz auslöst. Dieser Schmerz ist der Auslöser für den Eisprung. Na, das klingt doch alles nicht wirklich spaßig, oder?

Und dann hält sich noch immer das Ammenmärchen, eine Katze müsse einmal geworfen haben, weil sie wie Menschen das „Muttergefühl“ brauche. Wieder andere möchten sich selbst oder ihre Kinder das “Wunder der Geburt” erleben lassen. Ausgenommen alle Jungen werden behalten, bringt ihr Menschen euren Kindern damit statt Achtung vor der Schöpfung eher Verantwortungslosigkeit bei, denn die Katzenüberpopulation ist riesig, und die meisten bekommen kein gutes Zuhause! Wer’s nicht glaubt möge noch mal nach oben scrollen und unser Beispiel weiter durchrechnen.

Wenn es aber doch nur um die Vermehrung geht, warum dann Kastration und nicht eine einfache Sterilisation?

Die Frage sagt es schon: Auch weibliche Katzen werden kastriert – nicht sterilisiert!

Fakt ist, dass rollige Katzen einer großen hormonellen Belastung ausgesetzt sind, der nur durch eine Befruchtung oder durch die Kastration ein Ende gesetzt werden kann. Werden Katzen ausschließlich in der guten Stube gehalten und nicht von einem männlichen Vertreter gedeckt, kommt es zu einer regelrechten “hormonellen Vergiftung”, der sogenannten Dauerrolligkeit. Wer einmal eine rollige Katze hat schreien hören, denkt sofort an einen lauthals plärrenden Säugling hoch fünf. Lässt man sein Tier decken, verkürzt man nicht nur seine Lebenserwartung und nimmt durch die Beanspruchung und Deformation der Gebärmutter gesundheitliche Schäden in Kauf, sondern man vermehrt das ohnehin schon bestehende Katzenelend. Ist das Tier Freigänger, drohen ihm noch weitere Gefahren: Es wird sich auf der Suche nach einem Partner weit von Zuhause entfernen, unbekannte Straßen überqueren und so lange unterwegs sein, bis es einen Geschlechtspartner gefunden hat. Handelt es sich um eine weibliche Katze, läuft sie Gefahr, sich beim Deckakt das tödliche FIV-Virus (=Katzenaids) einzuhandeln, welches durch den Nackenbiss übertragen wird.

Unkastrierte Vertreter unseres Geschlechts entlaufen meist bei Einsetzen der Geschlechtsreife, weil wir – dem Geruch eines Weibchens folgend – oft viele Kilometer zurücklegen. Die meisten überfahrenen Tiere werden während der Paarungszeit aufgefunden! Beim Kampf um ein Weibchen sind wir Kater zusätzlich erbitterten Katerkämpfen mit anderen Revierkatern ausgesetzt, durch die wir oftmals schwer verletzt und mit tödlichen Krankheiten wie FeLV (=Leukose) oder FIV (=Katzenaids) infiziert werden können. Da eine Katze in der Regel von mehreren Katern gedeckt wird, ist auch für sie die Gefahr einer Infektion äußerst hoch.
Leben wir im Haus, beginnen wir mit der Geschlechtsreife unser Revier zur markieren. Dieses sogenannte Harnspritzen erfolgt aber nicht nur in unserem liebgewordenen Katzenklo, sondern eigentlich überall, wo wir es für nötig halten – an Wände, an Türrahmen, in Schränke, ja sogar in Obstschalen haben sich unsere Zeitgenossen bereits verewigt.

Die Vorteile der Kastration

Aus oben aufgeführten Gründen dürfte es im Sinne des Tieres liegen, über eine Kastration nachzudenken.

Denjenigen, die es nicht für “natürlich” halten, sei gesagt, dass ein “natürliches” Leben für die wildlebende Katze bedeutet, nur ein Alter von 1-5 Jahren zu erreichen und in ihrem kurzen Leben möglich viele Junge in die Welt zu setzen, von denen nur ein Drittel überlebt. Für alle anderen, hier die Vorteile auf einen Blick:

  • Keine Rolligkeitssymptome
  • Keine übelriechenden Markierungen
  • Geringeres Bedürfnis zu streunen
  • Weniger Aggressionen
  • Stärkere Menschenbezogenheit
  • Kaum Risiko hormoneller Erkrankungen wie Zysten, Gesäugetumore oder Gebärmutterentzündung bei der weiblichen Katze sowie Prostatakrebs beim uns Katern
  • Deutlich geringeres Risiko der Infektion mit FeLV (= Leukose) oder FIV (= Katzenaids) durch den Wegfall von Paarungsbissen und Katerkämpfen
  • Doppelt so hohe Lebenserwartung
  • Kein Zuwachs ungewollter Katzenkinder, für die man kein Zuhause findet

Und wann sollte man uns an die Nüsse oder die Stöcke?

Natürlich ist es von Hauskatze zu Stubentiger verschieden, wann der richtige Moment zur Kastration gekommen ist. Wichtig ist, dass wir als Freigänger auf keinen Fall unkastriert durch die Gärten streifen sollten. Leider merkt man immer erst wenn es zu spät ist, dass wir Samtpfoten bereits sexuell aktiv sind. Unserer Dosi wurde gesagt, dass sie warten solle, bis wir das erste Mal markieren. Allerdings haben wir ja schon früh mit dem gegenseitigen Besteigen begonnen, was uns nervlich ziemlich belastete und auch zu vielen unnötigen Kleinkämpfen führte, weil wir uns beim Nackenbiss weh getan haben.

Auch gibt es aus medizinischer Sicht keinen einzigen Grund, das Tier einmal rollig oder gar trächtig werden zu lassen. Das Gegenteil ist der Fall: Beides schadet der Gesundheit Ihrer Katze. Entgegen anderslautender Gerüchte muss nicht erst die komplette körperliche Entwicklung abgewartet werden, bevor das Tier kastriert werden kann. Langzeitstudien haben gezeigt, dass die Hormone keinerlei Einfluss auf das Wachstum von Katze und Kater haben, sondern dass Größe und Körperbau ausschließlich genetisch bedingt sind.

Prinzipiell kann man sagen, dass es günstig ist, die Katze so früh wie möglich kastrieren zu lassen, denn je jünger ein Tier ist, desto besser verkraftet es die Operation, die immerhin in Narkose stattfindet. Ein weiteres Beispiel für je früher je besser ist Fleckchen. Sie sollte kastriert werden und Bigis Bruder bekam das narkotisierte Fellhäufchen in die Arme gelegt mit den Worten: „Katzen mit Füllung kastrieren wir nicht!“ – Hier war es schon zu spät – und auch wenn die Jungen ein schönes Zuhause gefunden haben, sollte das wirklich nicht als gutes Beispiel dienen.

Frühkastration

Es spricht vieles dafür, eine Katze bereits mit 3 oder 4 Monaten kastrieren zu lassen, was in anderen Ländern schon jahrzehntelang ohne Probleme praktiziert wird und sich auch bei uns immer mehr durchsetzt. Dass manche Tierärzte es noch ablehnen, begründet sich in erster Linie durch mangelnde OP-Erfahrungen mit Tieren dieses Alters, bei denen insbesondere die Dosis des Narkosemittels genauestens dem Körpergewicht angepasst werden muss. Wird sie von einem sachkundigen Tierarzt durchgeführt, hat die sogenannte
Frühkastration viele Vorteile:

  • Die Operation ist kürzer
  • Die Narkose ist kürzer und weniger belastend
  • Die Operation ist einfacher, da die Keimdrüsen frei liegen und noch nicht von Fettgewebe überlagert sind, dadurch gibt es weniger Komplikationen/Blutungen
  • Das Tier ist schneller wieder fit
  • Das Risiko von Gebärmutterkrebs sowie anderen Krebsarten geht gen Null, wenn das Tier nie rollig war
  • Eine im Welpenalter gesetzte Tätowierung „wächst mit“ und ist später sehr gut lesbar
  • Die Katze kann nicht im Alter von 5 oder 6 Monaten mit ihrer ersten Schwangerschaft überraschen, obwohl doch irgendjemand versichert hatte, dass dies vor 7 Monaten nicht möglich sei.

Wie es uns vor, bei und nach der Kastration ergangen ist, erzählen wir euch später.



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